Gute Deutschkenntnisse sind für alle Kinder mit anderen Herkunftssprachen die Basisvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration in unser Schulsystem und so in unsere Gesellschaft. In unserem nun im zweiten Jahr erfolgreichen „Sprachpatenmodell“ trainieren Schülerinnen und Schüler aus den 2., 3. und 4. Schuljahren mit ihren Patenkindern einen für sie bedeutsamen Grundwortschatz und helfen so, den mündlichen Umgang mit der deutschen Sprache als lustvoll und gewinnbringend zu erleben. Die spielerischen Übungsphasen finden täglich im offenen Anfang (8.00 - 8.15 Uhr) statt.

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In diesem Schuljahr trainieren 24 Sprachpaten mit ihren 22 Patenkindern – hier einige Einblicke in einen Gruppenteil.

Die „Lerner“ kommen aus Indien, Syrien, Russland, Polen, Spanien sowie aus Kamerun und der Türkei.

Nach einer mehrstündigen Ausbildung durch drei Lehrkräfte, die sich beim Sprachpatenmodell engagieren, kommen die Sprachexperten mindestens drei Mal wöchentlich morgens früher zur Schule, um mit ihren Patenkindern Deutsch zu üben.

In kleinen Mini-Dialogen aus dem alltäglichen und für die Kinder relevanten Sprachschatz wird trainiert, den Wortschatz mit Sprachstrukturen und Rede-mustern zu verbinden.

Ein Experte und ein Lerner haben den Dialog zum Thema „Begrüßen und Verabschieden“ erst mit Impulskarten aus dem „Erste-Hilfe-Koffer“ erarbeitet und trainieren den Dialog nun durch vorsprechen, nachsprechen und auswendig lernen. Die geübten Strukturen werden situationsgerecht genutzt und können später in neuem Zusammenhang angewendet werden. Der Experte merkt, wie der Lerner ein immer besseres Gefühl, für die deutsche Sprache entwickelt und an Sicherheit gewinnt: „Er hat sich richtig verbessert. In der Pause spricht sie jetzt viel mehr mit den anderen Kindern.“

Die Sprachpaten sind stolz, dass sie echte „Erste-Hilfe“ leisten dürfen und den Kindern ermöglichen, sich in der Schule und in ihrem Alltag besser zurechtzufinden.

Hier übt die Expertin mit einem Lerner seinen eigenen Wortschatz aus der Lernbox. Die Viertklässlerin weiß: „Unsere Sprache mit den drei Artikeln ist sehr schwierig. Deshalb bringen wir den Paten immer Nomen direkt mit Artikeln bei. DER ist immer blau. DIE ist immer rot. DAS ist immer grün. Mit den Farben kann man sich die Wörter nochmal besser merken.“ Und weiter geht’s: „Das ist die Tasche.“ „Wie bitte?“ „Das ist die Tasche.“ „Ja, das ist die Tasche. Gut gemacht!“

Sprachpaten2Allen Kindern und vor allem den Sprachlernern helfen feste Strukturen im Aufbau der Sätze und farbliche Markierungen, die auch im regulären Deutschunterricht aufgegriffen werden. Ein differenziertes Lehrwerk, das diese Unterstützung ebenfalls bietet, ist fester Bestandteil unserer Schule.

Hilfsmittel wie Finger- und Handpuppen bauen gerade am Anfang Hemmungen ab und sind für beide Kommunikationspartner eine große Unterstützung.

Abschließend unterhalten die Kinder sich noch zu Wimmelbildern. Nach der Methode des „Corrective Feedback“ werden Äußerungen aufgenommen und dialogisch verbessert zurückgegeben, so dass der Lerner sich schnell als kompetenter Gesprächspartner wahrnehmen kann.

Die Experten lernen nicht nur Geduld und Einfühlungsvermögen - schließlich hat jeder Lerner sein eigenes Tempo und kommt mit ganz unterschiedlichen Vor-kenntnissen -, sondern bekommen z.B. durch die mehrsprachigen Wortschatzbilder auch Einblicke in fremde Sprachen und Kulturen.

Das Wichtigste, was die Kinder aus ihrem Engagement mitnehmen, ist aber wohl die Erkenntnis, dass sie selber einen großen Teil dazu beitragen, anderen Kindern zu helfen, am Schulleben erfolgreich teilnehmen zu können. Vielleicht können einige Lerner auch im 3. Und 4. Schuljahr selber Experte werden.

Der Spaß darf beim Lernen nie fehlen – aber davon gibt es bei unserem Sprachpatenmodell genug. Alle Sprachpaten und ihre Patenkinder freuen sich jetzt schon auf den vom Förderverein unserer Schule finanzierten gemeinsamen Ausflug am Schuljahresende!